
Typ: Review
Autor: Kai
Erstellt: 10. November 2008 - 16:08
Zuletzt aktualisiert: 10. November 2008 - 16:08
So viele Jobplattformen auch starten, die Jobs werden eher weniger. Verschiedene Ansätze (Studentenjobs, Absolventen, Fach+ Führungskräfte), doch alle wollen den Prozess für den "Jobsuchenden" verbessern. Im besten Fall sogar den Bewerbungsprozess umdrehen. Hohe Ansprüche, die da formuliert werden.
Bei dem Fall Talential scheint es ähnlich geartet. Hier soll außerdem das Unternehmen auch noch profitieren. Win-Win, auf Kosten der Personalberater. Die, so ist Talential der Meinung sind in diesem Prozess überflüssig. Genauer: Das Unternehmen spart 50% an Recruitingkosten ein und der Kandidat erhält einen Sign-on Bonus in Höhe von 2% vom Jahresbruttogehalt zum Arbeitsvertrag mit dem neuen Arbeitgeber. Sogar ein Affiliatesystem "Talential wirbt Talential" steckt im System. Der Kandidat zahlt nichts. Das Unternehmen zahlt, wenn (soweit richtig verstanden) ein Interview mit einem Kandidaten geführt wird und/oder ein Arbeitsvertrag mit diesem Kandidaten geschlossen wird. Mit der recht pauschalen Aussage, dass Unternehmen ihre Recruiting Kosten um 50% gegenüber einer Einbindung eines Personalberaters und Beschaffung über sein Netzwerk senken können, müßte im Einzelfall geprüft werden, ob das so weiter stehen darf.
Vom Lesen und vom Prinzip her eine durchdachte Sache, wenn der Markt so was will. Hier bin ich mir nicht sicher. Es wäre interessant zu hören, was Unternehmen dazu sagen. Selbst dann, so stell ich mir vor, dass die Bandbreite der Resonanz recht verschiedenen sein wird.
Warum? Wir haben es mit Menschen zu tun. Je höher die Position, desto menschlicher wird es. Da darf die Rolle des Personalberaters nicht verkannt werden. Fragen Sie einen Senior oder besser Partner einer der namenhaften Personalberater, dann wird er ihnen erklären, was sein Engagement alles beinhaltet. Das ist nun mal eine ganze Menge mehr, als dass eine Software leisten kann. Welche Person passt zur: - Position, - Unternehmensphilosophie, - Strategie, - zum Ceo, - zu neuen Kollegen, etc. Da hat er meistens recht breites Branchen Know-how, kennt Gemunkel über das Personenkarusell, hat Zugriff auf exclusive Branchen-News, kennt die Zufriedenheit der Manager, ist meistens auch Kandidaten Coach, nicht in wenigen Fällen Kandidaten Mentor, der die Karriere lenkt, etc. Ein Unternehmen, dass Personalberater auf die Suche schickt, will im Normalfall auch die Beratung. Das kann eine Plattform (Talential, etc.) dieser Art nicht leisten.
Damit scheint die Plattform ab Hauptabteilungleiter und höher (GL, GF) recht eingeschränkt, bis sogar gar nicht funktionieren.
Für Positionen, die darunter angesiedelt sind (je nach Branche) unter 80 TSD wird ein Unternehmen überlegen um was für ein Profil es geht. Sind es die klassischen Funktionen/Bereiche, (Produktmanager, Abteilungsleiter, etc.), die im allgemeinen kein Spezialistenwissen haben und/oder nicht in einer Nische angesiedelt sind, dann werden solche Profile nun mehr nicht häufig über einen Personalberater gesucht. Da reicht es, je nach Stellenwert des Unternehmens, in einem Monster oder Jobpilot eine Stellenanzeige zu schalten. Die Reichweite unter den Wechselwilligen ist dort sehr groß, somit auch die Qualitiät der eingehenden Bewerbungen nicht schlecht - eher sogar richtig gut.
Auch hier wird es für Talential nicht einfach. Hier kann es aber meiner Meinung zu Mitnahmeneffekten kommen. Personalreferenten, die über ein eigenes Budget verfügen, werden hier sicher Versuche starten. Ob es aber zu Interviews kommt? Wie gesagt, ich kenn nicht das Preismodell. Soweit ich es aus den freien Texten lesen konnte, wird erst ab Interview gezahlt. Wenn es so ist, kann es dort auch für den Umsatz schwierig werden.
Um nicht komplett schwarz zu malen (ist sowie so nur meine kleine Meinung), so sehe ich gewisses Potential für Spezialisten in ihren Nischen (ob Branche oder Fachausbildung). Die Suche ist dort immer schwierig. Ein Unternhemen muß dann auch den Weg über eine Plattform, so wie Talential gehen. Das bedeutet aber auch, dass gerade diese Spezialisten den Weg zu Talential finden müßen. Marketing-/Kommunikation & PR Strategie. Hier ist meiner Meinung anzusetzen. Ziel: Echte Spezialisten Profile generieren.
Das sollte auch die Positionierung von Talential sein. Nicht so breit und schwammig, wie es heute ist. Klarer Fokus, klare Ansprache. Für Ingenieure habe ich vor kurzen schon sowas im Netz gesehen. Name? Nicht gemerkt, weil kein Ingenieur!
Dann sollte Talential auch mit den tausenden Home-Office Researchern arbeiten, die als Freie, die "Drecksarbeit" für die Struggels, etc. dieser Welt machen. Also Affiliateprogramm für Researcher, die durchaus interessante Karteikarten haben (voll mit Spezialisten). Ein fairer Revenue Share (und ich meine damit keine 10% von 2% Sign-on) wird hier der Schlüsselfaktor sein. Vertauensbasis aufgebaut vorausgesetzt.
Seid flexibel, noch kann man Modelle feintunen. Viel Erfolg!